Oksana Bulgakowa: Die Schöne und die Macht Theatralisierung und Politisierung der Weiblichkeit im sowjetischen Film der 30er Jahre

Einleitung: Ende der 20er Jahre begann Jurij Olesa an einem Stück zu arbeiten, das er zunächst „Beichte“ („lspoved“) nennt. Ihn interessierte die Anthropologie des sich formierenden neuen Menschen in Konfrontation mit den existierenden Typen und Umständen. Die Heldin in der „Beichte“ ist eine junge Schauspielerin, die davon träumt, in den Westen zu fliehen, denn nur dort kann sie „Star“ werden. Eines Abends nach der Vorstellung bekommt sie einen Brief von einem unbekannten Zuschauer, der sie der „verfeinerten Sabotage – der Unterdrückung der Psyche eines Proletariers“ beschuldigt, weil sie ihn mit „Sehnsucht nach Unverständlichem“ vergiftet. Diese Sehnsucht könnte als Empfinden des Schönen verstanden werden. Die Schauspielerin macht sich auf den Weg ins Arbeiterwohnheim, um dort den Autor des Zettels zu finden und wird Zeuge des folgenden Gespräches: „Ich würde verbieten zu träumen. In der Übergangsepoche muß die Psyche des sich formierenden neuen Menschen geschützt werden. (…) es gibt Umstände, die diese Psyche zerstören. Die Träume…“ (zit. n. Gudkova,1999, S. 147f.). …

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