Johanna Fröhlich-Kriechbaum: Die Oberösterreichische Friedensbewegung und ihre Kommunikationsmaßnahmen von 1985 bis 1988

Einleitung: “Ein bißchen Frieden” wünschte sich auch die deutsche Sängerin Nicole 1982 und gewann mit diesem unpolitisch intendierten Schlager den Eurovision Song Contest im britischen Harrogate. Der Gedanke und das Bedürfnis nach Frieden, Abrüstung und einer gewaltfreien Welt erstarkten Anfang der 1980er Jahre auch bei der österreichischen Bevölkerung. Um gemeinsam einen Schritt gegen Krieg, Gewalt und Atomwaffen zu tun, schlossen sich Menschen zu Friedensinitiativen zusammen. Durch ihren gemeinsamen Auftritt und den Zusammenhalt der Bewegungen wurde das öffentliche Ansehen gestärkt und ihre Kommunikation sukzessive professionalisiert. Eine dieser regionalen Initiativen war die Oberösterreichische Friedensbewegung (OÖ-Friedensbewegung), die sich Anfang der 1980er Jahre aus den verschiedensten kleineren Organisationen gebildet hatte. Zu diesem Zeitpunkt verzeichneten die Friedensbewegungen in Österreich generell eine sehr dynamische Aufwärtsentwicklung, doch ein Jahrzehnt später schien die Energie der Friedensbewegten wieder verbraucht, und das Interesse junger Aktivisten nahm ab. Der Mobilisierungserfolg zuvor war nicht etwa den großen Massenmedien, sondern Netzwerken rund um ein starkes Bündnis zu verdanken. Auch Friedensaktivisten der „alten Schule“, wie die Interviewpartner dieser Studie (Fröhlich-Kriechbaum, 2010) Gerald Oberansmayr und Boris Lechthaler aus Linz sind der festen Überzeugung, dass es nicht die auflagenstarken Publikumsmedien waren, die den Gedanken von Frieden und Antimilitarismus unter die Bevölkerung brachten. Die OÖ-Friedensinfo war das wichtigste Kommunikationsorgan der OÖ- Friedensbewegung. Das Blatt besaß eine hohe Mobilisierungsfähigkeit, vor allem für die beiden Höhepunkte in der Geschichte der Österreichischen Friedensbewegung, die Großdemonstrationen am 15. Mai 1982 und am 23. Oktober 1983. …

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