Marin Putschögl: „Die Mandate sind da, aber die Hirne fehlen“ Die Exilpublizisten des "Austrian Labor Committee" und ihre oft vergeblichen Bemühungen, nach Österreich zurückkehren zu können

Einleitung:

„Die österreichischen Sozialdemokraten und Gewerkschafter erheben den Anspruch, als die entscheidende Kraft innerhalb des österreichischen Volkes anerkannt zu werden. Gerade weil sie für die Freiheit des österreichischen Volkes kämpfen und seine Zukunft ernsthaft vorbereiten wollen, lehnen sie die unernste Vordringlichkeit reaktionärer Gruppen und politisch unbedeutender Emigrantenkomitees ab.“
(Sailer, 1942, S. 5f)

Karl Hans Sailer ließ schon in der ersten Nummer der „Austrian Labor Information“ vom April 1942 keine Zweifel darüber aufkommen, dass sich das in New York von österreichischen Sozialisten gegründete „Austrian Labor Committee“ (ALC) lediglich als Gruppierung von Exilierten sah, die vor Hitlers Truppen fliehen mussten, bei der ersten Gelegenheit aber wieder nach Österreich zurückkehren und dort eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau des Landes spielen wollten. Sailer war neben Otto Leichter einer der beiden Redakteure der ab diesem Zeitpunkt monatlich erscheinenden Exilzeitschrift.

Sailer und Leichter repräsentieren zwei der rund 30.000 Österreicherinnen und Österreicher, die die Flucht vor Hitler bis in die USA getragen hatte (Weinzierl, 1985, S. 51f). Nach einer Schätzung des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW) waren etwa zehn Prozent davon politisch aktiv (Eppel, 1995, S. 231). Sie gründeten eine Reihe von Exilorganisationen, um ihre Vorstellungen eines zukünftigen Österreich politisch durchsetzen zu können und auf die US-amerikanische Außenpolitik ebenso wie auf die amerikanische Bevölkerung in ihrem Sinne einwirken zu können. …

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