Waltraud Cornelißen: Der Stellenwert des Fernsehens im Alltag von Frauen und Männern

Einleitung: Das Medium Fernsehen steht in Europa nun schon bald ein halbes Jahrhundert mit regelmäßigen Ausstrahlungen zur Verfügung. In Deutschland begann der NWDR Weihnachten 1952 mit der regelmäßigen Ausstrahlung eines Programmes. Im Rückblick erscheinen die zunehmende Versorgung der Bevölkerung mit immer mehr und immer leistungsfähigeren Empfangs-, Speicher- und Programmwahlgeräten, die enorme Ausweitung und Diversifizierung der Programmangebote sowie die enorme Steigerung und Ausdifferenzierung des Fernsehgebrauchs als eine große Erfolgsgeschichte. Von ihr soll hier berichtet werden, wobei ein besonderes Interesse dem Bedeutungswandel des Fernsehens im Alltag von Frauen und Männern gilt.

Geschlechtsgebundene Formen der Zuwendung zum Fernsehen?

In den 60er Jahren erreichten Hörfunk und Tageszeitung noch deutlich mehr Bundesbürgerinnen als das Fernsehen. Dann aber, in den 90er Jahren, überflügelte das Fernsehen die Tageszeitung und das Radio (s. Berg & Kiefer, 1992, S. 28, und Kiefer, 1996, S. 235).  Im Rahmen der Media-Analyse gaben 1999 95% der Bevölkerung ab 14 Jahren an, „mehrmals in der Woche oder häufiger“ fernzusehen. Dagegen hörten nur 85% der Deutschen so regelmäßig Radio und nur 82 % gaben an, so regelmäßig Zeitung zu lesen (zit. n. Maria Gerhards/Walter Klingler: Jugend und Medien. Fernsehen als Leitmedium. In: Media Perspektiven 11/1999, S. 566). Auffallend ist, daß das Fernsehen die anderen Medien nicht verdrängte, sondern sich vielmehr einen zusätzlichen Platz im Alltag der Bundesbürgerinnen eroberte. …

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