Robert Breuer: „Der lange, mühevolle Weg ins Exil“ Als Wiener Journalist nach New York

Einleitung: Die heute von mir als ein böser Traumempfundenen Ereignisse im März 1938 hatten mich schlagartig mit der damals kaum faßbaren Realität konfrontiert, alsein plötzlich seines jüdischen Glaubensbekenntnisses wegen zum Paria erklärter, in Wien geborener österreichischer Staatsbürger entweder gemeinsam mit meiner ebenfalls aus Wien gebürtigen Mutier Selbstmord zu verüben oder den Weg ins Exil anzutreten zu versuchen.

Als ein junger, seit mehreren Jahren für österreichische und ausländische Zeitungen tätiger Journalist hatte ich allen Grund, mich gefährdet zu fühlen; die Tatsache, niemals politische Artikel verfaßt zu haben, verlieh mir eine gewisse Sicherheit: sollte ich, auf dessen Initiative die Neue Freie Presse im Jahre 1929 mit der wöchentlichen Veröffentlichung einer literarischen „Jugendbeilage“ begonnen hatte, und der sich mit seinen Beiträgen für das Neue Wiener Tagblatt, das Neue Wiener Journal die Linzer Tagespost u. a. auf das Gebiet Wiener Privatsammlungen spezialisierte, eine besondere Verfolgung, vielleicht die Über- stellung nach Dachau zu befürchten haben? Man mußte auf jede, auch die unerwartetste Situation gefaßt sein. Ich war als dürftiges Zeilenhonorar empfangendes Mitglied des „Verbands der Auswärtigen Presse“ bei der Polizeidirektion in Wien registriert und mein Presseausweis trug deren Stampiglie. Meine in den dreißiger Jahren für den Tagesboten (Brünn), den Grenzboten (Preßburg), das Morgenblatt (Zagreb), den European Herald (London) und die von 1932 bis 1935 für den Generalanzeiger (Stettin) geleistete Arbeit erstreckte sich auf Berichte über Wiener kulturelle Ereignisse, auf Festspiel- und Reisereportagen, auf Sport- und Lokalereignisse…

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