Mario Magazin: Neurokognitive Unterhaltungstransformation in der Komödie

Abstract: Komödien scheinen, anders als Horror- und Actionfilme, von Zusehern viel unproblematischer als Unterhaltung angenommen zu werden. Als Erklärung wird das Drei-Stadien-Modell der Unterhaltungstransformation von Grimm – ursprünglich aus Daten über Gewaltfilme gewonnen – nun auch für Komödien vorgeschlagen. Zugunsten besserer Operationalisierbarkeit wird eine neurokognitive Theorie als komplementäres Modell ausgewählt. Der Rest des Aufsatzes stellt zuerst in einer kurzen Einführung die wichtigsten Neuronenpopulationen im erweiterten limbischen System vor. Danach wird als Modell der Unterhaltungstransformation die Re-Appraisal-Theorie der Emotion-Regulation von Ochsner, Silvers und Buhle anhand des dorsalen fronto-parietal Attention Networks erklärt. Mögliche Schwierigkeiten bezüglich der Methode der functional Magnetic Resonance Imaging (fMRI) und theoretische Probleme im Re-Appraisal werden kurz diskutiert. Anschließend wird auf Basis von Morrealls Humor Konzeption und fMRI-Daten ein neuronales Substrat für Humor vorgeschlagen. Conclusio und Ausblick erwähnen die Wichtigkeit der Amygdala und Belohnungszentren wie das ventrale Striatum im Vergleich für Re-Appraisal und Humor und plädieren außerdem für mehr theoretische Tiefe bei der fMRI Forschung in diesem Bereich.

Jürgen Grimm: Lachen im sozialen Kontext Konstruktion und Evaluation des Humor-Dispositions-Tests

Abstract: Ausgangspunkt ist die transformative Kraft des Humors, die sich auf Kommunikationssituationen wie auf soziale Beziehungen massiv auswirkt. Aufgrund eines Vexierspiels zwischen Gesagtem und Gemeinten durchbricht der Humor die üblichen semantischen und sozialen Regeln und setzt reflexive Prozesse in Gang, die im Einzelnen schwer zu durchschauen und noch schwerer zu kontrollieren sind. Die gewonnenen Einsichten in die Superiorität, Exklusivität und Universalität des Humors werden im zweiten Teil des Aufsatzes in ein empirisches Verfahren zur Messung der Humordisposition (HDT) umgesetzt und mit Hilfe einer konfirmatorischen Faktorenanalyse an einem Sample von insgesamt 1395 ProbandInnen evaluiert. Der HDT operationalisiert u. a. unter dem Rubrum des „Humorstils“ das Überlegenheitslachen entlang der sozialen Hierarchie (Hobbes) versus der karnevalesken Umkehrung politischer Machtverhältnisse (Bachtin). Ebenso werden Exklusions- und Inklusionstendenzen des Humors im Sinne der „sozialen Identitätstheorie“ einander gegenübergestellt sowie ein empirisches Maß für die Universalisierung des Humors geschaffen. Im abschließenden Fazit werden die Anwendungsmöglichkeiten des HDT im Rahmen der kommunikationswissenschaftlichen Forschung erörtert.

R. Lance Holbert: Political Satire Defining a Nebulous Construct

Abstract: Political satire is a complex form of political discourse that is evident in democratic media systems across the globe. Its diversity has led many to argue that it is impossible to put forward a proper definition that encompasses all of its seemingly infinite permutations, and all extant attempts to define this unwieldy concept have been met with much criticism. Not one communicative act can be studied and understood properly without being well defined. Studies of political satire are on the rise and much knowledge has been generated over the last decade. However, these lines of research will fall into stagnation if the central communication construct driving these efforts is not explicated with the necessary precision. This essay offers a comprehensive definition of political satire in an effort to create a foundation from which this area of study can continue to flourish.

Rebekka Fürer & Jörg Matthes: Zur Wirkungsweise von Selbstironie und Spott in der politischen Rede

Abstract: Die politische Rede, die sich direkt an die Bürger wendet, ist seit der Antike ein zentrales Element der Wahlkampf- und Überzeugungskommunikation. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern die Verwendung von Humor in einer politischen Rede förderlich für die Persuasion ist. Dabei unterscheiden wir zwei zentrale Formen des politischen Humors, Selbstironie und Spott. Der Aufsatz argumentiert basierend auf einer theoretischen Analyse, dass beide Humorarten in einer politischen Rede in Abhängigkeit der politischen Ideologie der Rezipienten den Einstellungsbildungsprozess beeinflussen können. Damit wird ein Grundstein für eine umfassende empirische Prüfung der Effekte von Selbstironie und Spott in politischen Reden gelegt.

Christiane Grill: Mate Guarding und seine alltagsweltliche Relevanz Wie Bestehen und Scheitern von Treuetests reflexive Lernprozesse initiieren

Abstract: Reality-Fernsehen ist stets für die Erfüllung von voyeuristischen und eskapistischen Bedürfnissen seines Publikums kritisiert worden. Seine Wirkungen auf lebensweltliche Lernprozesse wurden zumeist ignoriert. Im Rahmen einer Medienwirkungsstudie (N=137) wurde untersucht, welche Effekte das Bestehen und Scheitern von Frauen und Männern in Treuetests auf reflexive Lernprozesse der Rezipientinnen und Rezipienten haben. Dabei wurde erstmalig das Konzept des Mate Guarding – des Überwachens und Kontrollierens der Partnerschaft – in den deutschsprachigen Kulturraum übertragen. Ergebnisse der Studie belegten, dass insbesondere jüngere Männer das größte Potential für Mate Guarding aufwiesen. Dabei würden sie verstärkt die Strategie der Beziehungs-Affirmation nutzen; auch vor Gewalt gegenüber der Konkurrenz würden sie nicht zurückschrecken. Anhand unterschiedlicher Ausgänge des taff Treuetest wurde gezeigt, dass durch positives Modell-Lernen – also durch das Vorzeigen eines erfolgreichen Bestehens des Treuetests – Mate Guarding Strategien abgebaut werden. Gleichzeitig wurden diese Strategien ebenfalls reduziert, wenn die Untreue von Männern aufgedeckt wird; sprich wenn negative Modelle als Vorlage dienten. Insgesamt wies die Studie damit sowohl lineare aus auch non-lineare, reflexive Lernprozesse bei den Zuschauerinnen und Zuschauern nach.

Mike Meißner: Der Verein Arbeiterpresse (1900–1933) Selbstverständnis, Autonomie und Ausbildung sozialdemokratischer Redakteure

Abstract: Die Beschäftigung mit den sozialdemokratischen Journalisten am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jh. in Deutschland stellt unter professionalisierungstheoretischen Aspekten ein Desiderat der kommunikationshistorischen Forschung dar. Der Beitrag geht der Frage nach, inwiefern sich die sozialdemokratischen Journalisten, die im Verein Arbeiterpresse (VAP) organisiert waren, ihren bürgerlichen Kollegen mit Blick auf ihr berufliches Selbstverständnis annäherten. Zudem wird danach gefragt, ob der Befund von Jörg Requate für das 19. Jh., dass die „unabhängige Gesinnungstreue“ nur für die bürgerlichen Journalisten zutreffe, auch für den Beginn des 20. Jh. Gültigkeit beanspruchen kann. Dazu wurden die Diskussionen der Berufsangehörigen in den Mitteilungen des Vereins Arbeiterpresse (MdVA) mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse untersucht. Neben dem Selbstverständnis wurden Autonomiebestrebungen und die Positionen zur Aus- und Weiterbildung betrachtet. In allen drei Dimensionen lassen sich Tendenzen einer Annäherung der sozialdemokratischen Redakteure an ihre bürgerlichen Berufskollegen erkennen.

Mike Meißner wurde für seine Masterarbeit 2014 mit dem erstmals vergebenen Nachwuchsförderpreis der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK ausgezeichnet. Dieser Aufsatz stellt die Arbeit und ihre zentralen Befunde vor.

Rezensionen 3/2014

Bernhard Pörksen, Hanne Detel: Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter. Köln: Von Halem 2012, 247.Seiten.
– resensiert von Christoph Jacke, Paderborn

Christian Kuchler (Hg.): NS-Propaganda im 21. Jahrhundert. Zwischen Verbot und öffentlicher Auseinandersetzung. Köln, Weimar, Wien: Böhlau Verlag 2014, 238 Seiten.
– rezensiert von Thomas Ballhausen, Wien

Wolfgang Schweiger: Determination, Intereffikation, Medialisierung. Theorien zur Beziehung zwischen PR und Journalismus. (= Konzepte. Ansätze der Medien- und Kommunikationswissenschaft; 11) Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013, 145 Seiten.
– rezensiert von Horst Pöttker, Hamburg und Wien

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