Klaus Kienesberger: Aus, vorbei, vergessen? Zur Sichtbarkeit der Widerstandsforschung in der österreichischen Erinnerungskultur

Einleitung: Vor mittlerweile neun Jahren – im Jahr 2000 – konstatierte Wolfgang Neugebauer in seinem Beitrag zum Sammelband „NS-Herrschaft in Österreich“ eine schwierige Situation der Widerstandsforschung in Österreich: „In den letzten Jahren ist durch den von der Waldheimkontroverse ausgelösten Paradigmenwechsel im politischen und zeitgeschichtlichen Diskurs, in dessen Verlauf eine Verlagerung des Forschungsinteresses zu Holocaust, KZ-Forschung, Arisierung, NS-Euthanasie und NS-Täter bzw. zu damit zusammenhängenden Nachkriegsproblemen erfolgte, eine gewisse Stagnation in der Widerstandsforschung eingetreten“ (Neugebauer, 2000, S. 188). In der Rückschau auf das „Gedenkjahr 2008“ scheint nicht nur die Widerstandsforschung in Österreich ungebrochen eine Identitätskrise zu durchlaufen, auch das Gedenken an den Widerstand ist generell im kollektiven Gedächtnis unterrepräsentiert: Nicht nur die Zahl der im vergangenen Jahr erschienenen wissenschaftlichen Beiträge zum Themenkomplex des Widerstands gegen den Nationalsozialismus blieb überschaubar, auch das offizielle Gedenken konzentrierte sich in erster Linie auf die Erinnerung an neuralgische Daten wie den 12. März 1938 (den Jahrestag des sogenannten Anschlusses) sowie den 8. Mai 1945 (das Datum der Befreiung Österreichs) und beschränkte sich in der Befassung mit dem Widerstand auf eingeübte Würdigungen der noch lebenden WiderstandskämpferInnen. …

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