Wolfgang Pensold: Amtlicherseits wird gemeldet… Zur Geschichte regierungsnaher Nachrichtenbüros in Österreich

Einleitung: Die erste staatliche Nachrichtenagentur
Die institutionellen Anfänge eines staatlich inspirierten Nachrichtenbüros auf österreichischem Boden fallen in die Regierungszeit des Kanzlers Klemens Lothar Metternich. Metternich versucht die nach dem Wiener Kongreß von 1814/15 eingesetzte, reaktionäre mitteleuropäische Ordnung abzusichern und den in den Zeitungen immer wieder auflkeimenden Liberalisierungsbestrebungen gegenzusteuern. Eine undatierte und nicht gezeichnete, Metternich jedenfalls vorgelegte Denkschrift mit dem Titel „Die Presse“ schlägt die Einrichtung einer Korrespondenz zur Beteilung der Zeitungen mit regierungstreuen Nachrichten vor. Der Autor der Denkschrift befaßt sich eingehend mit den in England und Frankreich getroffenen Regierungsmaßnahmen gegen die liberale Presse und kommt zu dem Schluß, daß beide Länder trotz Strafverschärfung und gesteigerter Bestechungsaktivität die Zeitungen nicht zu zügeln vermochten. Er führt weiter aus, daß im französischen Innenministerium unter dem Namen Bureau de l’esprit public eine Zeitungsartikelfabrik bestehe, die unmittelbar dem Innenminister unterstellt sei. Monatlich würden von da aus Publizisten und Redakteure für die Verfassung leitender Artikel bezahlt, welche täglich „in halb offiziellem Gewände“ an die Tageszeitungen in verschiedenen Departements des Landes versandt würden. Honorare, Stellen, Orden, „Vergünstigungen und Geschenke jeglicher Art“, wie sie die Regierung gewähre, dienten dazu, sich die Zeitungsleute gefügig zu machen. …

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