Eva Maria Gajek: Abseits der klassischen Bilder? Dokumentationen über den Holocaust 2000-2010

Abstract:
Das Fernsehen übernimmt zunehmend die Rolle eines Geschichtsvermittlers. Diese Entwicklung wurde von der Fachwissenschaft insbesondere seit den 1990er Jahren intensiv beobachtet und vielfach kritisiert. Eva Maria Gajek untersucht Geschichtsdokumentationen über den Holocaust von 2000 bis 2010 und fragt, welchen Veränderungen die Dokumentationen seit der Jahrtausendwende unterlagen. Sie weist erstens nach, wie die inhaltliche Kritik die Erzählungen der Dokumentationen bestimmte. Die Fernsehmacher kooperierten mit Historikern, glichen ihre Erzählungen mit den Forschungsergebnissen ab und zeigten diese Zusammenarbeit auch visuell: Archive, Aktenbestände und Stellungnahmen von Fachwissenschaftlern sind gängige Praktiken. Zweitens kommen neue inhaltliche Impulse hinzu. Ausnahmefälle (Deutsche als Opfer, der Widerstand der KZ-Insassen, Arbeit des Sonderkommandos) geraten hierbei genauso in den Blick wie die Erinnerungskultur der folgenden Generation nach 1945. Drittens zeigt Gajek, wie auch die technische und formalästhetische Darstellung wie Schnitt, szenische Verweise und Computeranimation die Erzählweise bestimmen.

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