Ernst Kieninger: A la Lumiere Der Wiener Filmpionier Gottfried Findeis und die erste Periode ambulanter Kinokultur in Österreich 1896–1899

Einleitung:

1. Auf dem Weg zur Kommunikationsgeschichte: Leute wie Findeis

Lumière, daß heißt Licht, „noch mehr aber ist der Name zum Synonym lür das erste Kapitel der Filmgeschichte, für die Erfindung des Kinos schlechthin geworden. Natürlich beeilt sich der gewissenhafte Historiker hier festzuhalten, daß es viele andere gab, die zur selben Zeit oder auch schon früher Apparate zur Herstellung und Vorführung von Filmen konstruierten (Zglinecki, 1979, S. 232ff). Unzählige technikgeschichtliche Abhandlungen haben ja bereits die Genese der kinematographischen Apparatur beschrieben, immer motiviert von der Suche nach den Pionieren, nach dem „ersten Mal“. – Lumière aber brachte gewissermaßen die Erleuchtung, holte die Erfindung aus der Bastelstube und führte sie einer kommerziellen Verwertung zu.

Die folgende Entwicklung des Mediums bis zur Etablierung ortsfester Kinos, der Institutionalisierung des Films innerhalb der kommunalen Infrastruktur wurde bisweilen als selbstverständliche rezipiert, so quasi im Selbstlauf hätte demnach die epochale Erfindung ihren Weg zur endgültigen Bestimmung – Kunst – gefunden. Was sich aber vor der „Kultivierungsphase“ und der Gründung stabiler Kinobetriebe in beständiger Abregelung zwischen Produktion und Rezeption zu einem kommunikativen, will heißen Verständnis erzielenden, System eingeschliffen hatte, unterschlägt die an einem flüssigen Fortgang der Geschichte interessierte Interpretation.

Auf der Strecke blieb damit die kritische Beschäftigung mit der „Bewährungsphase“ des Mediums, mithin die gesamte Periode des Wanderkinos, welches als exakte Metapher hierfür steht. Übergangen wurden damit auch Leute, wie der ambulante Filmpionier Gottfried Findeis. …

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