Corporate Citizenship. Theoretische Reflexionen, begriffliche Definitionen und warum – richtig angewandt – CSR als Konzept der Vertrauenskommunikation zu mehr Glaubwürdigkeit von Organisationen beitragen kann

Autor: Wolfgang Lamprecht

Abstract: Die globalen Krisen seit dem Jahr 2008 haben vor dem Hintergrund politischer und gesellschaftlicher Umbrüche eines sehr deutlich werden lassen: Das Vertrauen der Menschen in Wirtschaft und Politik ist signifikant gesunken. Die Wiedererlangung von Vertrauen gilt daher als oberste Prämisse für ein sozial ausgeglichenes Gesellschaftssystem, für die Überwindung der Krise und nachhaltige Stabilität. Damit steht Unternehmenskommunikation vor einer strategischen Herausforderung: Reputation und Image müssen wiederhergestellt werden. Konsequenterweise gilt die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung – Glaubwürdigkeit vorausgesetzt – dabei als konstituierender Faktor für Vertrauen. Ethische Kommunikation ist daher das Gebot der Stunde, Corporate Citizenship (CC) ein diskutiertes Modell, Corporate Social Responsibility (CSR) ein wiederentdecktes Konzept. Allerdings fehlen für die Umsetzung anwenderbezogene Anleitungen, im Wirrwarr um Begriffe und Befindlichkeiten droht die Idee bereits im Ansatz zu scheitern.

Compliance – der Rohstoff von Corporate Social Responsibility

Autorin: Monika Roth

Abstract: Compliance ist nicht nur eine wichtige Eigenschaft von Corporate Social Responsibility (CSR), sondern Voraussetzung dieses Verständnisses von gesellschaftlicher Verantwortung der Unternehmen. Ohne Compliance als umfassendes Verhaltenskonzept ist CSR lediglich Reputationsmanagement ohne tieferen Sinn. So verstanden erhält ein Unternehmen dann eine unverdiente Reputation, weil es seine Verantwortung gar nicht wirklich wahrnimmt, sondern nur so tut.

Dieser Beitrag steht als Download zur Verfügung:
Monika Roth (2014): Compliance – der Rohstoff von Corporate Social Responsibility. In: medien&zeit, 29 (1), S. 22-33.

Wissensorte im Wandel. Paralipomena zu Corporate Social Responsibility aus der Sicht des Archivs

Autor: Thomas Ballhausen

Abstract: Im vorliegenden Text werden strategische Vorüberlegungen zum Feld der Corporate Social Responsibility (CSR) für kulturbewahrende und -vermittelnde Institutionen, die ja nicht zuletzt auch als Unternehmen definiert werden können, beschrieben. Ausgehend von Verantwortung und Vertrauen als Faktoren für abgesichertes gesamtbetriebliches Agieren in Theorie und Praxis wird hier das eigentliche unternehmerische bzw. institutionelle Verhalten als wesentliche Ergänzung eingebracht. Das synästhetische Bündelangebot CSR mit seinen Modellen und Instrumenten wird als Option gefasst, das den notwendigen Wandel von Kulturinstitutionen aktiv vorantreiben kann. Die damit einhergehenden strategischen und verantwortungsethischen Perspektiven und Zugänge werden dabei vorsätzlich aus der Sicht des Archivs als kulturfeldrelevante Institutionsform diskutiert. In der positiven Überblendung aus bewahrenden und vermittelnden Agenden erlaubt diese Wahl, die einen Akzent auf Film- und Medienarchive setzt, eine sinnvolle, reale Reflexion von arbeitszyklischen Prozessen, gesamtunternehmerischen Strategien und potentiellen Kommunikationsmodellen. Im Text werden deshalb nach einer versuchten Situationsbestimmung, archivspezifische Kontexte, Herausforderungsprofile und aktuelle Diskurse angesprochen, sowie erste morphostatische bzw. morphogenetische Vektoren dynamischer Systeme, als die sich Archive beschreiben lassen, benannt. Darauf aufbauend werden potentiell relevante Teile der CSR identifiziert und mögliche Maßnahmen und praxisorientierte Ansätze zur dauerhaften Etablierung von CSR-Elementen in der institutionellen Gesamtstrategie, der betrieblichen Struktur und der Wissensvermittlung abgeleitet.

Mediationen des Schreckens. Wirkung einer Holocaust-Dokumentation in der Jüdischen Gemeinde Wiens

Autor: Andreas Enzminger

Abstract: Nahezu keine TV-Dokumentation zum Thema Holocaust kommt seit Beginn der 1980er Jahre ohne den Einsatz von ZeitzeugInnen aus. Sie sollen den RezipientInnen als Authentizitätsbeweis dienen und historische Fakten mit subjektiven Erzählungen untermauern. Die Frage stellt sich, was dieses beliebte Inszenierungsformat für den Prozess der Geschichtsvermittlung in einer Gruppe leistet, deren Verwandte und Vorfahren dem Nazi-Terror in großer Zahl zum Opfer fielen. Mit Hilfe einer experimentellen Wirkungsstudie wird im vorliegenden Beitrag der Einfluss des Einsatzes von TäterInnen- und Opfer-ZeitzeugInnen auf geschichtsvermittelnde Prozesse bei Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Wiens untersucht. Im Mittelpunkt stehen die rezeptive Partizipation junger österreichischer Juden und Jüdinnen an der Holocaust-Dokumentation Nacht & Nebel bzw. mögliche Rezeptionswiderstände, die aus Belastungsreaktionen resultieren. Des Weiteren wird geprüft, welche Chancen und Grenzen der Vermittlung humanitärer Werte sich aus der Präsentation von Schreckenszeugnissen der Nazi-Zeit ergeben.
Bei den 111 befragten jüdischen RezipientInnen wurden nach der Filmvorführung von Nacht & Nebel sehr hohe emotionale Belastungswerte ermittelt. Der emotionale Stress ermöglichte zwar eine intensive rezeptive Partizipation und förderte einzelne humanitäre Einstellungen, hemmte aber teilweise auch den Humanitätstransfer. Die ZeitzeugInnen fungierten i.A. als Stressmoderatoren und Türöffner für rezeptive Beteiligungsformen. Allerdings war die Zusammenstellung der ZeitzeugInnen-Typen dafür ausschlaggebend, wie hoch oder niedrig Stress, Beteiligung und Humanitätsgewinn im Einzelnen ausfielen.

Dieser Beitrag steht als Download zur Verfügung:
Andreas Enzminger (2014). Mediationen des Schreckens. Wirkung einer Holocaust-Dokumentation in der Jüdischen Gemeinde Wiens. In: medien&zeit, 29 (1), S. 50-62.

Rezensionen 1/2014

Ingrid Stapf, Achim Lauber, Burkhard Fuhs & Roland Rosenstock (Hg.): Kinder im Social Web. Qualität in der KinderMedienKultur. BadenBaden: Nomos 2012, 277 Seiten.
– rezensiert von Diotima Bertel

Gundolf S. Freymuth, Lisa Gotto & Fabian Wallenfels (Hg.): Serious Games, Exergames, Exerlearning. Zur Transmedialisierung und Gamification des Wissenstransfers. Bielefeld: Transcript 2013, 473 Seiten.
– rezensiert von Gerit Götzenbrucker & Fares Kayali

 

Hannes Haas 1957-2014. Nachruf auf ein Gründungsmitglied des Arbeitskreises für Historische Kommunikationsforschung (AHK)

von Fritz Hausjell & Bernd Semrad

Der Nachruf steht als Download zur Verfügung:
Fritz Hausjell & Bernd Semrad (2014). Hannes Haas 1957-2014. Nachruf auf ein Gründungsmitglied des  Arbeitskreises für Historische Kommunikationsforschung (AHK), 29 (1), S.67-68 und 75-76.

 

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Die Urania-Gesellschaft und die Popularisierung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse am Ende des 19. Jahrhundert

Autor: Thomas Wilke

Abstract: Der Beitrag beschäftigt sich mit der Urania-Gesellschaft in der Zeit von ihrer Gründung 1889 bis circa 1900 und ihren programmatisch zu verstehenden Popularisierungsstrategien wissenschaftlicher Naturerkenntnisse. Dabei verstand sich die Gesellschaft selbst als ein Mittler zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, ohne dass selbst Wissen produziert wurde oder die Kommerzialisierung der Bildungsangebote selbst problematisiert werden musste. Durch die Integration neuer Medien, wie dem Phonographen, der Photographie und der Kinematographie wirkte sie als neuer Inszenierungsraum innerhalb Berlins als Besuchermagnet. Gleichzeitig erhöhte sich die Attraktivität des durchaus dichten Angebots über die populären und üppig dekorierten Vorträge des wissenschaftlichen Theaters, die Möglichkeit des Experimentierens für das Publikum und die technische Ausstattung der astronomischen Abteilung. In einer historisch neuen Qualität kommunizierte sie über die hauseigene Verschränkung der unterschiedlichen Wissens- und Bildungsangebote naturwissenschaftliche Erkenntnisse einem breiten und nicht zwangsläufig vorgebildeten Publikum.

„Laien, Praktiker, nicht nur Wissenschaftler theoretisieren“. Der Beitrag der modernen Wissensgesellschaft zum Entstehungszusammenhang und Verwissenschaftlichungsprozess der Zeitungskunde

Autor: Erik Koenen

Abstract: Der Beitrag geht der bislang kaum erforschten und erörterten Fach- und Theorietradition der zeitungskundlichen Praktikergelehrten nach. Mit der Leitfrage nach der Eigenlogik der wechselseitigen Verflechtung der ursprünglich voneinander geschiedenen gesellschaftlichen Struktur- und Wissensbereiche von Journalismus und Presse einerseits, Wissenschaft andererseits wird eine historische Wurzel des noch heute kontrovers diskutierten Wissenstransfers zwischen Kommunikations- und Medienwissenschaft und Medienpraxis freigelegt. Inhalt und Ziele sind: ausgehend vom Konzept der historisierten Wissensgesellschaft (1) den Entstehungszusammenhang und Verwissenschaftlichungsprozess des Fachs Zeitungskunde neu zu interpretieren sowie (2) für die zur Diskussion stehende Tradition der zeitungskundlich wirkenden Praktiker die Spezifik ihres Wissenschaftsverständnisses zu eruieren, wie es originär aus dem Wechselspiel von praktischen Sichten, professionellem Erfahrungswissen und zeitungskundlich-wissenschaftlicher Reflexion resultierte.