Hervorgehoben

30 Jahre medien & zeit

von Dr. Gaby Falböck
Obfrau des Arbeitskreises für historische Kommunikationsforschung

30 Jahre medien & zeit! Geburtstage geben stets Anlass zur Rückschau und Reflexion über das vergangene Jahr. Runde Geburtstage regen meist weitreichendere Selbstbetrachtungen an: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden be- und mitunter ausgeleuchtet. Aus den Entwicklungslinien entspinnt sich ein roter Faden. Was für menschliche Existenzen gilt, zählt auch für Zeitschriftenprojekte und die dahinterstehende Herausgebergemeinschaft. Zeit also nachzudenken, Zeit medien & zeit unter die Lupe zu nehmen. Weiterlesen

Editorial 4/2015 Die Zukunft von gestern

Seit rund drei Jahrzehnten verändert die Digitaltechnologie in ihrer ökonomisch induzierten Anwendung das, was man zwangsläufig unpräzise als „gesellschaftliche Kommunikation“ bezeichnen kann, dramatisch. – Allerdings hat das aus dem Englischen kommende Wort „disruptiv“, also zerstörerischer Wandel, damit im Zusammenhang erst in letzter Zeit Einzug in die deutsche Sprache gehalten. Aus der Not des Augenblicks heraus stellen sich viele in der Informations- und Kommunikationsbranche Beschäftigte die Frage, in welche Richtung die Entwicklung geht: Integriertes crossmediales Produzieren, „digital first“, Ende des Gedruckten – mit ihm zusammen vielleicht das Aussterben aller „Legacy-Medien“ mitsamt dem Journalismus, da „User“ den „Content“ aus ihrem jeweiligen Erlebnisbereich selbst „generieren“ und IT-Konzerne aus den jeweiligen „Clouds“ zielgruppengerechte „Feeds“ „kuratieren“.  Weiterlesen

Josef Trappel: Kommunikationswissenschaft und Zukunftsforschung – zwei wie Hund und Katz’?

Abstract
Wissenschaftstheoretisch sprechen keine fundamentalen Einwände gegen die Beschäftigung mit der Zukunft, auch nicht in der Kommunikationswissenschaft. Genau genommen lässt sich die Beschäftigung mit der Zukunft gar nicht ausklammern, denn die Suche nach gehaltvollen, Wissen generierenden Theorien schließt von vorn herein den Blick in die Zukunft mit ein. So vielversprechend die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Zukunft auch ist (bedarfsorientierte Forschung, Drittmittelforschung), sie ist auch mit erheblichen Risiken behaftet. Da relevante sozialwissenschaftliche Prognosen stets Einfluss auf Entscheidungen über den in den Blick genommenen Ausschnitt der Realität nehmen, sind zutreffende Vorhersagen so gut wie ausgeschlossen. Wer sich solchen anforderungsreichen Forschungsaufgaben widmet, muss daher die damit verbundenen Reputationsrisiken in Kauf nehmen.

Roman Hummel, Susanne Kirchhoff, Dimitri Prandner & Rudi Renger: Veränderungen des Journalismus – Prognosen von gestern

Abstract
Die Digitalisierung der Medienproduktion ab dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts hat die Medien selbst, aber vor allem auch den Journalismus, wesentlich verändert. Diese auch von der Kommunikationswissenschaft wahrgenommenen Veränderungen (ver)führten zu zahlreichen Prognosen über die weitere Entwicklung. Wir stellen uns in diesem Artikel die Frage, ob und welche dieser Prognosen sich vom heutigen Standpunkt aus als zutreffend erwiesen haben. – Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass die Vorhersagen dort um so treffender waren, je eher die vorausgesagten Entwicklungen einem linearen Trend folgten. Das war aber nur teilweise der Fall.

Dimitri Prandner & Rudi Renger: Von der Technikkritik zur Optimierungsideologie Zur Debatte zwischen Marktkräften, Technikfolgen und Demokratie

Abstract
Soziale Netzwerke, mobile Kommunikationstechnologie und einfache Inhaltsproduktion und -dissemination prägen die heutige Medienlandschaft. Der Mainstream der internationalen, aber auch österreichischen kommunikationswissenschaftlichen Forschung hat längst die technikskeptische Perspektive, die aus der Auseinandersetzung mit der kritischen Theorie folgte, abgelegt.
Um diese Entwicklung weg von einer technikskeptischen Perspektive nachzuzeichnen, werden in einem historischen Abriss die Hintergründe eben dieser Ansichten thematisiert, mit den kommunikationstechnologischen Fortschritten der 1980er Jahre kontrastiert und mit den Ansprüchen hinsichtlich einer Partizipation und Teilhabe an medientechnischen Ressourcen in Verbindung gebracht.
Der Aufsatz schließt mit einem Destillat der Konsequenzen dieser Veränderungsprozesse und der Identifikation potentieller Gefahren, die durch aktuelle Kommunikationsstrukturen entstehen und zeigt Felder auf, in denen eine kritische Diskussion notwendig ist.

Gerhard Rettenegger: Vom Ende eines Quasi-Monopols Die Journalistinnen und Journalisten und ihre unvorhergesehenen Mitbewerberinnen und Mitbewerber im öffentlichen Diskurs

Abstract
Vorhersagen über Aufgaben und Funktionen von Journalismus im gesellschaftspolitischen Kontext haben sich als problematisch erwiesen. Das Internet, vor allem die sozialen Netzwerke, die eine Teilnahme am öffentlichen Diskurs für jedermann ermöglichen, lassen das Sender-Empfänger-Modell, die Grundstruktur für den traditionellen Journalismus, erodieren. Es sind nicht länger kleine, publizistische Eliten, die das Informationsmonopol haben, die Themensetzung im öffentlichen Diskurs bestimmen und die Deutungshoheit über die Ereignisse besitzen. Nicht nur die Funktionen des Journalismus, auch Berufsbilder und vor allem das Verhältnis der Kommunikatorinnen und Kommunikatoren zu den Rezipierenden sowie deren Rolle im Internet und in den sozialen Netzwerken werden neu zu definieren sein müssen. Diese essenziellen Entwicklungen für den Journalismus waren in Prä-Internetzeiten nicht absehbar, noch sind sie abgeschlossen. Dieser Text versucht an ausgesuchten Funktionen der Journalistinnen und Journalisten, wie Gatekeeper und Informations-Monopolistinnen und -Monopolisten, aber auch an deren Verhältnis zum veränderten Publikum nachzuzeichnen, wie sich die Prognosen dazu seit den 1990ern zum Status Quo verhalten.

Tagungsbericht: under.docs – Fachtagung junger Medien- und Kommunikationswissenschaft von Claudia Palienko-Friesinger

Erstmals fand am Wiener Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft die Fachtagung junger Medien- und Kommunikationswissenschaft. Partizipation in Geschichte und Gegenwart, eine Initiative der under.docs: Verein zur Förderung von NachwuchsforscherInnen der Geistes- und Sozialwissenschaften, statt. Ein wichtiges Anliegen der Veranstaltung war es, den Begriff des Nachwuchses neu aufzugreifen und selbstbewusst zu definieren, wurden neben DoktratsstudentInnen explizit auch Bachelor- und Masterstudierende der Sozial- und Geisteswissenschaften zur Vortragsreihe wie Workshopteilnahme eingeladen.
Diese für viele wissenschaftliche Institutionen ungewöhnliche Öffnung des Nachwuchsbegriffs lohnte sich. Nicht zuletzt durch die unterschiedlichen Studienerfahrungen und -abschlüsse sowie den interdisziplinären Austausch erreichten sowohl die inhaltliche Komponente der Vorträge, als auch der Beitrag des Publikums und die geführten Diskussionen hohes Niveau. Das rahmende Schlagwort der Partizipation ist in den unterschiedlichsten Dimensionen aufgegriffen worden. Beiträge zu politische Herangehensweisen, feministische Perspektiven, Fremdheitsdiskursen aber auch Schnittstellen zur künstlerischen Darstellung und historischen Medienforschung wurden gefunden, präsentiert und diskutiert.
Eine vertiefende Auseinandersetzung mit qualitativen Methoden der empirischen Sozialforschung, Theorien der Sozialwissenschaften, historischer Kommunikationswissenschaft und feministische Forschung bot die Workshopreihe, die unter Leitung etablierter Sozial- und GeisteswissenschaftlerInnen eine Plattform für intensiven Austausch ermöglichte. Weiterlesen

Rezensionen 4/2015

Peter Gentzel: Praxistheorie und Mediatisierung; Grundlagen, Perspektiven und eine Kulturgeschichte der Mobilkommunikation. Wiesbaden, Springer VS 2015, 437 Seiten.
– rezensiert von Margarita Köhl, Wien

Stefan Lüddemann: Kulturjournalismus. Medien, Themen, Praktiken. (Kunst- und Kulturmanagement, hg. von Andrea Hausmann) Wiesbaden: Springer Fachmedien 2015, 147 Seiten.
– rezensiert von Christiane Mayer, Wien

Andy Bennett & Steve Waksman (Hg.): The SAGE Handbook of Popular Music. Los Angeles u.a., 2015.
Lee Marshall & Dave Laing (Hg.): Popular Music Matters. Essays in Honour of Simon Frith. Farnham u.a.: Ashgate, 2014.
Sheila Whiteley & Jedediah Sklower (Hg.): Countercultures and Popular Music. Farnham u.a.: Ashgate, 2014.
Linda Duits, Koos Zwaan & Stijn Reijnders (Hg.): The Ashgate Companion to Fan Cultures. Farnham u.a.: Ashgate, 2014.
– rezensiert von Christoph Jacke, Paderborn

Tim Tolsdorff: Vom Fixstern zur Sternschnuppe. Zwei deutsche Illustrierte und ihre gemeinsame Geschichte vor und nach 1945. Halem Verlag 2014, 564 Seiten.
– rezensiert von Thomas Birkner, Münster


Editorial 3/2015 Im Brennpunkt: Fach- und Institutsgeschichte

Personelle Leitung, universitäre Einbettung, politisches Verständnis und nicht zuletzt die „Tradition“, schlicht die Geschichte, von wissenschaftlichen Instituten formen Ausrichtung und Zukunft eines Faches erheblich mit. Die eindringliche Auseinandersetzung mit Fachgeschichte, ob im Sinne einer Aufarbeitung politischer Instrumentalisierung, Aufdeckung bürokratischer Barrieren oder der wissenschaftlichen Ausrichtung, ist notwendig, um eine sinnvolle Institutspolitik zu gestalten. Das vorliegende Heft möchte einen Beitrag dazu leisten und richtet die Aufmerksamkeit auf theoretische Verortungen und praktische Herausforderungen im Zuge der Betrachtung von Institutsgeschichte(n) der Kommunikations-, Medien- und Publizistikwissenschaft.
Damit widmet sich medien & zeit einer Thematik, die zu unrecht als verstaubt gelten mag und versammelt vier Beiträge zum Schwerpunkt Fach- und Institutsgeschichte, die die Brisanz des Themas anhand der analytischen Betrachtung von „Ein-ProfessorInnen-Instituten“ über das 100-jährige Jubiläum der „Leipziger Zeitungskunde“ bis hin zum „Modestudium Publizistik“ darlegen.

Gemeinsam mit einer Sonderausgabe anlässlich der Ausstellung „Von der Propagandaschmiede zur Kommunikationswissenschaft“, die vom 24. September 2015 bis zum 25. Februar 2016 am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien (IPKW) gezeigt wird, zeigt medien & zeit die für das Fach tragende Rolle in der Auseinandersetzung und im praktischen wie im theoretischen Einfluß von Institutsgeschichte auf. Weiterlesen